Rode AI-1 Studio Kit – Audio Interface + Rode NT1 – Das beste Komplett-Set?

Kurz bevor sich das Jahr 2017 dem Ende neigte, hat Rode noch eine große Ankündigung gemacht. Mit dem Rode AI-1 sollte das erste eigene Audio Interface erscheinen und bei Bedarf zusammen mit dem bekannten Rode NT1 ein rundum Sorglospaket bilden. Nun ist es so weit und das AI-1 ist sowohl einzeln als auch im Set erhältlich. In diesem Video möchte ich mich dem Interface widmen. Was ihr also allein oder im Set bekommt, das erfahrt ihr wie immer hier.

Lieferumfang

Entscheidet ihr euch für das kleine Interface aus dem Hause Rode, habt ihr zwei Optionen. Entweder ihr entscheidet euch für das Interface allein für rund 130 Euro oder ihr nehmt mit knapp 350 Euro eine Stange mehr Geld in die Hand und erhaltet das Rode NT1 obendrauf.

Schauen wir uns mal an, was Rode uns alles ins Komplettpaket gepackt hat. Natürlich das Interface und das Mikrofon selbst. Dazu gibt es die Rycote-Spinne mit abnehmbarem Popschutz. Darüberhinaus gibt es noch zwei Kabel. Ein 7m langes XLR-Kabel, um das Mikrofon mit dem Interface zu verbinden, und ein nur 1m langes USB-Kabel, um das Interface an das jeweilige Aufnahmegerät anzuschließen. Beispielsweise PC oder Tablet.

Ein Stativ allerdings fehlt. Hier bleibt es also euch überlassen, ob ihr das Set mit einem klassischen, einem Tischstativ oder einem Mikrofonarm ergänzt. Das heißt direkt loslegen wird so schwierig. Behaltet das also im Hinterkopf. Dafür gibt es für alle Recording-Einsteiger und -Fortgeschrittene mit Ableton Live Lite eine hervorragende DAW, die trotz ihrer Einschränkungen schnell für mehr als brauchbare Aufnahmeergebnisse sorgen dürfte. Ein Datenträger wurde allerdings nicht beigelegt. Um eure kostenlose Zusatzsoftware zu erhalten, müsst ihr nur auf den beigepackten Link gehen.

 

Verarbeitung und Features

Dem Rode NT1 werde ich bei Gelegenheit noch ein eigenständiges Video widmen und einen Vergleich zum bewährten NT1-a liefern. Hier soll es also erstmal um den Rest, sprich das Interface gehen.

Anständige Ausstattung, aber ohne Stativ!

Wenn man sich das AI-1 in die Hand nimmt, fällt als erstes das ordentliche Gewicht von über 500g auf, welches nicht zuletzt den verwendeten Materialien und der allgemeinen Verarbeitungsqualität geschuldet ist. Das komplette Chassis ist aus schwarz lackiertem Metall und macht einen durch und durch hochwertigen Eindruck. Hier wackelt oder knarzt nichts.

Was man hier zudem hervorheben sollte, ist das sehr minimalistische Design. Hier wurde auf alles verzichtet, was unnötigen Platz verbraucht, so dass die gesamte Steuerung des Interfaces mit nur zwei Reglern an der Front möglich ist. Daneben findet ihr hier noch eine Kombobuchse mit XLR-Eingang für ein Mikrofon oder alternativ einem 6,3mm Klinkeneingang für hochohmige Instrumentensignale. Auf der rechten Seite gibt es noch den 6,3mm Klinkenanschluss für eure Kopfhörer.

LEDs geben euch alle wichtigen Informationen.

Die beiden Potis haben jeweils eine Doppelfunktion. Mit dem linken Regler könnt ihr den Gain für euer Eingangssignal bestimmen. Durch einfachen Druck des Reglers könnt ihr zudem die 48V Phantomspeisung ein- oder wieder aus schalten. Über den aktuellen Status informiert euch dabei die benachbarte LED. Links daneben gibt es übrigens eine weitere LED. Die blinkt grün auf, sobald das Gerät einen moderaten Pegel registriert und warnt in rot, solltet ihr übersteuern.

Der rechte Regler ist für die Kopfhörer- bzw. Monitor-Lautstärke zuständig. Sobald ihr diesen Regler drückt, könnt ihr dabei das Direct Monitoring aktivieren bzw. deaktivieren. Auch hier werdet ihr über den aktuellen Status über die benachbarte LED informiert. Rechts daneben gibt es zudem noch die Power-LED, die euch einfach nur darüber informiert, dass das Gerät aktiv ist.

Die Rückseite ist noch übersichtlicher. Hier gibt es einen verdrehsicheren USB-Typ-C Eingang um das Interface mit dem PC zu versorgen. Über wird das Gerät darüberhinaus mit Strom versorgt. Zu guter Letzt gibt es hier noch zwei symmetrische Klinkenausgänge, um Monitorboxen anzuschließen. Zu beachten ist dabei, dass diese Ausgänge automatisch stummgeschaltet werden, sobald vorne ein Kopfhörer angeschlossen wird.

Ein paar technische Details

Bevor es zur Praxis geht, ein paar Infos am Rande. Beim AI-1 handelt es sich im Gegensatz zu den meisten Interfaces vergleichbarer Größe um ein echtes 1-Kanal Interface. Das heißt, es wird auch nur ein einziger Kanal an den PC gesendet. Damit entfallen insbesondere für Streamer die typischen Mono-Stereo-Probleme anderer Interfaces, so dass ihr hier nicht vor dem Problem steht, dass ihr nur auf einer Kopfhörerseite zu hören seid.

Darüber hinaus ist dieses Interface Class Complient. Oder einfacher gesagt: Es funktioniert Plug&Play und benötigt keine weiteren Treiber. Einerseits praktisch, da man direkt loslegen kann und es auch problemlos mit Tablets oder Konsolen funktioniert, auf der anderen Seite gibt es aber auch keinen ASIO-Treiber. Unter MAC ohnehin irrelevant, am PC müssen Hobbymusiker aber auf generische ASIO-Treiber wie ASIO4all zurückgreifen und so auf den konfortablen Treiber-Wechsel zwischen den Programmen on the fly verzichten.

Aufgenommen wird das Signal mit bis zu 96 kHz und einer Tiefe von 24 bit, was so ziemlich jedem ambitionierten Aufnahmeenthusiaten genügen sollte. Der Gain-Bereich fällt mit einer Verstärkung von 0 – 45 dB allerdings eher knapp aus. Ob das in der Praxis ein Problem ist, dazu später mehr. Was mich aber auf der anderen Seite positiv überrascht hat, ist der kräftige und saubere Kopfhörer-Verstärker, der auch anspruchsvolle hochohmige Kopfhörer problemlos befeuern kann.

Praxis

Für einen Klangeindruck empfehle ich euch an dieser Stelle das oben verlinkte Video.

In meinen Tests habe ich das Rode NT1 mit einem Abstand von rund 15cm besprochen und konnte das Mikro dabei ganz gemütlich mit einem Gain von run 40% betreiben. Die Aufnahme klingt sehr rund und detailliert, so dass das NT1 seine Fähigkeiten voll und ganz ausspielen kann. Das NT1 kommt dabei mit seinem insbesondere im Gegensatz zum NT1a eher neutralen Klang als echter Allrounder daher. Also durchaus ein super Team, nicht nur für Anfänger.

Wie zuvor erwähnt wirkt mir der Gain-Umfang mit 0 – 45 dB etwas knapp bemessen. Ein Großteil der Konkurrenz wie beispielsweise das Steinberg UR12 geht sogar hoch bis +54 dB. Daher habe ich auch mal ausprobiert, wie sich das Interface mit einem dynamischen Mikrofon wie dem Rode Procaster schlägt. Kurz: Es kommt an seine grenzen. Für eine normale Sprechlautstärke und einem Abstand zum Mikro von rund 15cm, musste der Gain auf 90-100% aufgedreht werden. Der dann erreichte Pegel war absolut ausreichend und kam durchaus an die -6 dB bis -3 dB Marke ran. Bei Aufnahmen mit leiseren Schallquellen oder größerem Abstand könnte es allerdings eng werden. Trotzdem positiv: Auch bei einem Gain von 100% läuft das Interface flüsterleise. Kein hörbares Rauschen durch den verbauten Preamp in der Aufnahme. Daher wäre notfalls also auch druchaus digitales Nachverstärken drin.

Tests mit Akustik- und E-Gitarre lieferten ebenfalls ordentliche Ergebnisse ab. Auch hier verweise ich wieder auf das oben verlinkte Video, in dem ihr einen guten Höreindruck bekommen solltet.

Während der Aufnahmen habe ich sowohl mit der Live-Monitoring-Funktion des Interfaces selbst gespielt als auch mit der minimal verzögerten Variante, nachdem das Signal durch meine DAW geleitet wurde, damit ich die Effekte live beurteilen kann. Mittels ASIO4all war es dabei problemlos möglich, mit einem Samplebuffer von 128 ohne Aussetzer oder störende Verzögerung das aufgearbeitete Signal live mitzuhören.

Zielgruppe und Fazit

Kommen wir damit zum Fazit. An wen richtet sich das Interface bzw. dieses Paket? Beides zielt auf all jene ab, die den gehobenen Einstieg in die Recordingwelt wagen wollen oder den nächsten Schritt weg von den einfachen USB-Mikros. Dabei sind sowohl Mikrofon als auch Interface auf einem Niveau mit dem man auch langfristig eine anständige Produktionsqualität auf die Beine stellen kann. Das gilt sowohl für Musiker, als auch Podcaster, Streamer und Let’s Player. Auf Schnickschnack wie integrierte Effektgeräte und ähnliches wurde zu gunsten der einfachen Nutzbarkeit verzichtet.

Man sollte sich jedoch vor dem Kauf bewusst machen, dass eine einzige Kombibuchse durchaus auch einschränkt. So lassen sich XLR- und Instrumenteneingang nicht parallel nutzen. Auch für volle Stereoaufnahmen, wie sie sich gerade für Musiker eignen, muss zu einer größeren Interfaceklasse gewechselt werden. Könnt ihr mit dieser Einschränkung leben, kann ich das Gerät und das Bundle nur wärmstens Empfehlen. Was ich persönlich allerdings bei diesem wie auch den meisten anderen Kleinstinterfaces vermisse, ist die Möglichkeit das Direct-Monitoring-Signal am Gerät selbst abzumischen. So muss das Abmischen per Software erledigt werden.

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