Ein Klassiker ausgegraben – das Shure SM7B

Über Jahrzehnte hinweg haben sich Mikrofone weiterentwickelt, um uns mittlerweile sogar Zuhause für verhältnismäßig wenig Geld Aufnahmequalität zu bieten, die man sonst nur aus professionellen Produktionen kennt. Während dieser Entwicklung gab es jedoch das ein oder andere Mikro, das den Kultstatus erreicht hat. Und anlässlich des fleißigen Wachstums meines Youtube-Kanals auf mittlerweile über 300 Abonnenten, habe ich mal eines meiner Schätze ausgegraben, zu dem eigentlich nicht viele der Worte nötig sind. Die Rede ist vom Shure SM7B.

Zumindest vielen Musik- und Technikbegeisterten wird der Name sicherlich etwas sagen. Die wohl am häufigsten wiederholte Trivia ist in dem Zusammenhang wohl die Tatsache, das einige namenhafte Künstler bedeutende Werke der Popkultur mit diesem Mikrofon aufgenommen haben.

 

Wissenswertes

Das SM7B beziehungsweise der direkte Vorläufer SM7, wurde 1975 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und war prinzipiell als Allzweckmikrofon konzipiert. Als es 1976 veröffentlicht wurde, fand man es jedoch insbesondere in diversen Radiostationen als Nachfolger des zuvor schon beliebten SM5. Das ist nicht zuletzt dem grandiosen Klang und der gerade für damalige Verhältnisse sehr gute Richtwirkung zu verdanken. Im Inneren des Mikrofons wurde eine Variation der Shure Unidyne III Kapsel verbaut, die bereits in dem einige Jahre zuvor entwickelten SM57 zum Einsatz kam. Besondere Eigenschaften waren die bessere Bassaufnahme durch die größere Kapsel und der integrierte Erschütterungsabsorber, der Geräusche, die durch Erschütterung des Stativs oder des Mikros selbst entstehen, abzudämpfen. Das funktioniert durch eine ausgefuchste Technik, bei der ein Koblen, der sich im hinteren Teil des Mikros befindet, bei Erschütterungen Luft in eine Kammer hinter der Membran pumpt und somit durch erhöhten Luftdruck die Schwingungen der Membran abdämpft. Zudem verfügt das Mikro gegenüber dem SM57 und SM58 trotz der verwandten Kapsel über einen breiteren und gleichmäßigeren Frequenzgang.

Darüber hinaus hat das Mikrofon als Extrafeatures einen integrierten schaltbaren Highpass-Filter und eine Präsenzanhebung. Wobei letzteres keine zusätzliche Anhebung ist. Viel mehr wird beim ausschalten der tatsächliche Frequenzgang in den Höhen abgedämpft. Die Anhebung gehört zu der „natürlichen“ Eigenschaft des Mikrofons. Die Kapsel ist von einem vergleichsweise großen Käfig umschlossen, der dafür sorgt, dass ihr immer den nötigen Mindestabstand einhaltet. Zusammen mit den beiden Windscreens könnt ihr dann bis auf wenige Zentimeter an das Mikro herangehen, um den optimalen Sound zu bekommen.

1999 erschien eine aktualisierte Version unter dem Namen SM7A, die im wesentlichen eine verbesserte Brummkompensationsspule und ein paar Verbesserungen ander Halterung enthielt. Zwei Jahre darauf folgte bereits das SM7B, dem lediglich ein zweiter, größerer Windscreen beigelegt wurde. Kurz gesagt: Am Klang des Mikrofons hat sich seit 1976 nichts geändert. Im laufe der Jahre standen diverse Künstler für ihre Produktionen vor dem Mikrofon. Darunter Bob Dylan, James Hatfield und der wohl meist genannte: Micheal Jackson für sein Thriller-Album.

 

Das Wesentliche

Natürlich sind Trivia immer wieder nett zu lesen, auch wenn gerade hier die meisten schon bekannt sein dürften. Die Frage, mit der ich mich jedoch eigentlich beschäftigen will ist folgende: Lohnt sich das Mikrofon auch heute noch – insbesondere in Budget-Homestudio-Umgebungen?

Viele Podcaster setzen auf dieses Mikrofon und ich habe das Gefühl, dass es auch unter den Let’s Playern häufiger anzutreffen ist als noch vor wenigen Jahren. Natürlich hat dieses Mikrofon immer noch seine hervorragende Klangfarbe, was definitiv dafür spricht, sich eins zu holen. Und auch die recht gute Abschirmung vor Nebengeräuschen ist gerade in Home-Recording-Situationen nicht zu verachten. Allerdings gibt es einen und damit wohl auch DEN wichtigen Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte:

Da es sich um ein dynamisches Mikrofon handelt ist der Output sehr gering. Bei diesem Mikro sogar noch weit geringer als bei vielen anderen dynamischen Mikrofonen. Für uns bedeutet das im wesentlichen eines. Wir brauchen einen sehr potenten Vorverstärker. Im Idealfall sollte der uns mindestens +55dB, noch besser +60dB rauschfreie Verstärkung und ein bisschen Reserve liefern, da wir diesen Grad an Verstärkung benötigen, um bei einer „normal lauten“ Sprechstimme einen brauchbaren Pegel zu bekommen.

Viele, die sich im einfachen Home-Recording-, Let’s Play-, Voice Over- oder Podcast-Bereich aufhalten haben sich meist einen Mixer oder Interface im Preisrahmen von 100-200 Euro besorgt. Also ist die Frage, die sich nun stellt: Reicht das?

Kurze Antwort: Es wird knapp. Sehr knapp sogar. Die meisten Geräte um 100 Euro liegen bei einer Maximalverstärkung von +50dB – +60dB und haben damit auf dem Papier schon mal die Mindestanforderung erfüllt. Allerdings bedeutet das auch, dass wir unsere Vorverstärker ans Limit bringen mussen und ob sie dann noch so rauscharm laufen, wie wir es von Kondensatormikrofonen kennen? Leider nicht immer.

Ich habe mir als Testobjekte ein Yamaha AG03, ein Behringer UFX1204 USB und ein dbx 268S als externen Vorverstärker geschnappt. Preislich sind das alles noch Geräte im relativen Einsteigerbereich. Das Yamaha mit ca. 115 Euro als Audiointerface, das Behringer mit 370 Euro als Mehrspurrekorder (16 Spuren parallel) und Mixer, sowie das dbx mit knapp 170 Euro als Preamp und Mikrofonprozessor.

Alle Geräte haben genug Leistung gebracht, um das Mikro auf einen nutzbaren Pegel zu bringen, allerdings haben auch alle bei dem extremen Grad an Verstärkung für ein leichtes Grundrauschen gesorgt, dass insbesondere bei der üblichen Nachbearbeitung schnell in den Vordergrund rückt.

Die Lösung

Auch wenn die Geräte für die viele Anwendungsfälle schon recht rauscharm sind, nimmt es nicht jedes Gerät so leicht. Allerdings kann man sich auf verschiedenen Arten helfen, wenn es zu sehr rauscht. Im Folgenden beschreibe ich drei Möglichkeiten, das Rauschen von vornherein zu minimieren:

  • ein Interface mit besserem Preamp
  • ein rauscharmer Inline-Preamp zur Entlastung des vorhandenen
  • ein externer Preamp, so dass das Interface nur noch als Wandler dient

Alle drei Varianten gehen natürlich mit Kosten einher, die nicht ohne sind. Ein neues Interface mit genügend sauberem Gain kostet mehrere hundert Euro. Eine konkrete Empfehlung kann ich euch nicht aussprechen, da ich selbst noch kein so gutes und teures Interface benötigt habe. Im Internet scheiden sich die Geister, was gerade noch gut klingt oder bereits zu verrauscht. Am besten ist es dabei so oder so, selbst ein Gerät auszuprobieren und zu sehen, ob es den eigenen Ansprüchen genügt. Im Idealfall mit Beratung vom Fachmann und die Sache ist gegessen.

Die zweite Variante ist die kostengünstigste der drei. Dabei könnt ihr mit eurer bestehenden Hardware weiter aufnehmen und hängt einen Inline-Preamp vor den eigentlichen Vorverstärker. Dieser wird durch Phantomspeisung betrieben und bringt je nach Produkt ca. 20 – 28dB zusätzlich an Gain. Es gibt verschiedene Geräte, im Wesentlichen werdet ihr jedoch auf zwei treffen:

Die beiden unterschieden sich um 2-3 dB im Gain und in der Eingangsimpedanz, die sich noch sehr leicht auf den Klang auswirkt. Der Cloudlifter ist dabei etwas robuster und scheinbar unanfälliger gegen Störeinwirkung von außen. Allein des Preises wegen habe ich mir damals allerdings einen Fethead zugelegt. Den findet ihr aktuell am günstigsten von einem Händler auf ebay und erfüllt seinen Zweck bestens. Das Rauschen ist eine Ecke leiser, jedoch immer noch nicht komplett verschwunden.

Die letzte Möglichkeit ist, euer Interface als reines Interface zu nutzen und euch einen externen Preamp zu besorgen, der dem SM7B genug Dampf unter den Hintern macht. Auch da habe ich leider noch keinen besessen. Was nach einschlägiger Meinung jedoch einen ausgezeichneten Job erledigen soll mit einer Verstärkung von bis zu +80dB ist der Golden Age Project Pre-73 Jr (260 Euro) oder der große Bruder, der Golden Age Project Pre-73 MKIII (340 Euro).

 

Fazit

Ob einem der Klang gefällt liegt ja immer im Ohr des Hörers. Was jedoch bei einem zwar stolzen und doch moderaten Preis von 390 Euro für das Mikrofon beachtet werden sollte, ist, ob die restliche Hardware genug Power hat, um das schmucke Stück zu betreiben. Denn davon hängt ab, ob man eine ganze Stange Geld oben drauf legen muss, um seinem geliebten Mikro doch noch ein rauscharme Töne zu entlocken, oder ob man vielleicht doch nochmal überlegt, ob ein anderes, vielleicht auch teureres Mikro, was mit der vorhandenen Hardware problemlos betrieben werden kann, sinnvoller ist.

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Zum Shure SM7B bei Thomann: http://www.thomann.de/de/shure_sm_7b_studiomikro.htm