Rode NT1 vs Rode NT1-A – Ein kleiner Vergleich – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Ich muss zugeben, was Mikrofone angeht, bin ich schon ein kleiner Rode-Liebhaber. Über die Jahre habe ich jetzt etliche Mikros ausprobiert und bin insbesondere bei Rode sehr oft hängengeblieben. So hat mich das extrem verbreitete Rode NT1-A¹ lange Jahre begleitet. Das wurde allerdings vor über 4 Jahren durch das Rode NT1¹ ersetzt. Da ich mit beiden Mikrofonen schon recht viel gearbeitet habe, wurde ich schon häufiger gefragt, welches das bessere ist, sich eher für bestimmte Aufnahmesituationen eignet oder ob der Preisunterschied gerechtfertigt ist. Und genau auf diese Unterschiede, will ich in hier eingehen.

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Die Mikros im Überblick

Das Rode NT1-A

Das Rode NT1-A galt und gilt bei vielen als die Standardempfehlung für alle, die in der Recording-Welt unterwegs sind und möglichst viel Qualität für ein verhältnismäßig begrenztes Budget suchen. Mit einem Preis von unter 200 Euro erhaltet ihr hier bereits das Komplettset, das fast alles liefert, um hochwertige Aufnahmen zu machen. Darunter das NT1-A selbst, die Spinne SM6 mit integriertem Popschutz, ein 6 Meter langes XLR-Kabel, eine Aufbewahrungstasche so wie eine DVD mit einigen Einsteigertipps für den richtigen Umgang mit dem Mikrofon. Was noch fehlt ist ein passendes Stativ so wie ein Mischpult oder Audiointerface, um das Mikrofon zu betreiben.

Qualitativ lässt sich hier gerade für den Preis nichts bemängeln. Das NT1-A weist seine bekannte hohe Verarbeitungsqualität auf. Zur Technik und zum Klang kommen wir später.

Das Rode NT1

Das NT1 wirkt fast wie der schwarze Zwillingsbruder des NT1-A, hat aber abgesehen von der reinen Optik nicht allzuviel mit dem NT1-A gemein. Gleiches gilt für seine direkten Vorgänger. Denn Varianten des NT1 gibt es bereits seit 1990. Bei der aktuellen Variante, die es so nun seit 2014 gibt, handelt es sich nämlich nicht um eine Neuauflage oder einfache Weiterentwicklung bestehender Mikrofone, sondern um eine komplette Neuentwicklung.  Daher stehen beide Mikrofone für sich und werden weiterhin unabhängig vertrieben. Auch das NT1 ist als Set erhältlich und kommt zusammen mit einer Spinne mit integriertem Popschutz und einer Aufbewahrungstasche. Ein Kabel hingegen fehlt.

Die mitgelieferte Spinne ist eine kleine Besonderheit, auf die ich an dieser Stelle kurz eingehen möchte. Im Gegensatz zur SM6 des Rode NT1a ist die SMR nicht aus Metall sondern komplett aus Kunststoff gefertigt. Qualitativ wirkt sie trotzdem hochwertig und zeigt auch nach Jahren der Nutzung keine Nachteile. Wirklich besonders ist aber die Aufhängung der Spinne. Normale Spinnen, wie eben die SM6 nutzen zur Aufhängung des Mikrofons einfache Gummibänder. Diese ist absolut zweckerfüllend, zeigen aber nach einigen Jahren insofern Ermüdungserscheinungen als dass sie an Elastizität verlieren können oder sogar reißen.

Bei der SMR hingegen wurde mit der mittlerweile recht bekannten Firma Rycote zusammengearbeitet. Die von Rycote entworfene Aufhängung besteht aus speziellen Kunststoff und soll im Vergleich zu herkömmlichen Gummiaufhängungen verschleißfrei und besonders zuverlässig sein. Und zumindest seit ich diese Spinne nutze, erfüllt sie ihren Zweck voll und ganz.

Bei dem Popschutz handelt es sich um ein rostfreies Metallgitter. Im Gegensatz zum Popschutz der SM6 kann dieser nicht variabel eingestellt werden. Falls er stört oder nicht benötigt wird, kann man ihn aber auch problemlos aus dem Stecksystem entfernen.

Das Rycote-System kommt übrigens nicht nur bei der Spinne zum Einsatz. Öffnen wir mal die beiden Mikrofone sehen wir, das die Kapsel des NT1 selbst als zusätzlicher Schutz auch mit dem Rycote-System ausgestattet ist. Ganz nach dem Motto: Doppelt hält besser.

Das Set bekommt bekommt ihr meist für knapp über 200 Euro.

Die technische Seite

Kommen wir damit zu den technischen Eigenschaften der beiden Mikros. Stellt man die beiden Datenblätter direkt gegenüber, wirken sie doch extrem ähnlich. Wo liegen also die Unterschiede?

Die einzig auffälligen Abweichungen sind der leicht höhere maximale Schalldruckpegel des NT1a (137 dB vs. 132 dB) zusammen mit dem leicht höheren maximalen Ausgangspegel und der Empfindlichkeit. Dafür hat das neuere NT1 nur noch ein Eigenrauschen von 4 dB-A zu den 5 dB-A des NT1a und betitelt sich selbst als rauschärmstes Mikrofon der Welt. Zugegeben, diese Unterschiede sind gerade im Homerecording-Bereich eigentlich vollständig zu vernachlässigen.

Wohingegen der große Unterschied der beiden Mikrofone besteht, ist die verwendete Kapsel. Beide besitzen eine 1-Zoll große Kapsel mit goldbedampfter Membran. Allerdings wurde die Kapsel des NT1 von grundauf neu entwickelt – und klingt anders. Das NT1-A ist bekannt für einen vollen und präsenten Klang. Es ist fernab von einem neutralen Frequenzgang, aber gerade auch wegen seiner sehr offen klingenden Färbung bei vielen Leuten beliebt. Das eignet sich aber nicht unbedingt für jeden. Das NT1 hat dagegen einen extrem linearen Frequenzgang mit nur leichter Presänzanhebung. Allgemein soll das NT1 den beliebten „Vintage-Klang“ zurückbringen und das ohne das lästige Rauschen im Schlepptau.

Sehr gut sieht man den Unterschied des Frequenzgangs, wenn man sie im Diagramm vergleicht:

 

Welches klingt nun besser?

Besser ist natürlich immer relativ. Jedes Mikro funktioniert unterschiedlich gut mit verschiedenen Stimmen oder Instrumenten und jeder Mensch empfindet den damit aufgezeichneten Klang als unterschiedlich gut.

Wie beim Diagramm bereits gezeigt, verhält sich das Rode NT1 für ein Kondensatormikrofon relativ neutral. Es gibt einen sehr leichten und in der Praxis sehr runden und sanften Boost in den Höhen. Gerade das empfinde ich bei diesem Mikrofon als sehr angenehm. Der Bassbereich dagegen ist fast unberührt und wird bis zum unteren Ende des Frequenzspektrums nicht betont.

Bei dem NT1-A kann man dagegen direkt die weit ausgeprägteren Höhen wahrnehmen. Diese sind auf breiter Fläche deutlich betont. Ich empfinde sie sogar fast als etwas scharf. Auf im Bereich über 100 Hz gibt es eine Betonung, die Stimmen voller und eben etwas basslastiger klingen lässt. Das klingt für viele Out-of-the-Box erstmal besser, schränkt aber auch ein, da man hier im Zweifel erstmal gegenarbeiten muss. Dazu aber später nochmal mehr.

In Sachen Richcharakteristik und Aufzeichnung von Nebengeräuschen tun sich die beiden Mikrofone in der Praxis nichts. Wie die Mikros aber in echt klingen, insbesondere auch im Einsatz mit einer Gitarre, könnt ihr euch im verlinkten Video anhören.

Persönliche Meinung und Erfahrungen

Bevor wir zum Abschluss kommen noch ein paar Worte zum Klang: Wie Eingangs erwähnt, ist es mit dem Klang von Mikrofonen immer etwas schwierig. Das Thema ist letzten Endes immer sehr Subjektiv, da einem selbst der Klang gefallen muss. Ich zum Beispiel ziehe das NT1 wegen seines ausgewogeneren Klangs und die eher runden statt scharfen Höhen vor. Allerdings auch noch aus einem anderen Grund. Bei meinen Arbeiten im Hörbuch-, Hörspiel- und Synchro-Bereich kommen gerade bei Internetprojekten Aufnahmen verschiedener Sprecher mit verschiedensten Mikrofonen zusammen. Insbesondere das NT1-A sticht dabei immer wieder heraus. Und zwar stärker, als viele andere Mikrofone. Das ist natürlich ungünstig, da sich der Klang einfügen und nicht herausstellen soll. Das erfordert immer eine entsprechende Mehrarbeit beim Mixing. Aus dem Grund ein Tipp aus meiner Erfahrung: Überlegt, wofür ihr das Mikrofon einsetzen wollt. Steht ihr allein im Vordergrund, spricht nichts dagegen, ein Mikrofon zu wählen, dass von Haus aus so nah wie möglich an eurem Wunschklang ist. Gerade bei Projektarbeiten kann genau das aber auch hinderlich sein, wenn nicht alle auf vergleichbare Mikros setzen. Es kommt also immer darauf an, was ihr vorhabt und was ihr von eurem Mikro erwartet.

Fazit

Nach wie vor handelt es sich bei den beiden Mikrofonen um zwei großartige Geräte mit jeweils sehr eigenem Charakter. Ein „besser“ oder „schlechter“ gibt es dabei aus meiner Perspektive nicht. Viel mehr ist und bleibt die Frage, welchen Klang man persönlich bevorzugt und welcher besser für die eigenen Projekte passt. Das NT1a ist im kompletten Set bereits ab 190 Euro zu haben. Das NT1 gibt es mit Plastikhalterung für 200 Euro, mit moderner Spinne für rund 250 Euro.

Die Mikros findet ihr hier:

► Rode NT1-A (Amzn): http://amzn.to/2pGiP05 ¹
► Rode NT1-A (Thmn): https://obli.net/s/zot53 ¹
► Rode NT1 (Amzn): http://amzn.to/1PyJDUy ¹
► Rode NT1 (Thmn): https://obli.net/s/haifl ¹

 

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