Das Zoom H4n Pro – Besser als das Original?

Der sehr verbreitete und zurecht beliebte Handyrecorder H4n von Zoom erblickte erstmals 2009 das Licht der Welt. Jetzt, knapp 7 Jahre später, war es Zeit für eine Aktualisierung in Form des H4n Pro. Doch die große Frage ist: Was macht das Pro zum Pro? Und: Lohnt der Umstieg bzw. der Griff zum teureren Bruder?

Allgemeines

h4n_micLetzten Monat hat Zoom die Neuauflage des H4n angekündigt, jetzt ist sie zu haben. Doch was wird uns da geboten? Auf den ersten Blick könnte man das Gerät sicher mit seinem Vorgänger verwechseln. Alle bekannten Steuerelemente sind noch an genau den gleichen Stellen wie zuvor, nur mit leicht angepasster Optik. Und genau wie der Vorgänger haben wir fest installierte X/Y-Mikrofone so wie zwei XLR/TRS-Kombobuchen am unteren Ende des Geräts. Nach wie vor lassen sich bis zu vier Spuren simultan mit bis zu 96 kHz und einer Tiefe von 24 Bit aufnehmen. Und auch die Mikrofone lassen sich wieder durch einfaches Drehen von einem 90° Stereobild auf eine 120°-Aufnahme umstellen.

Zwar sind die auffälligsten Änderungen das leicht angepasste Design mit dem nun blau beleuchteten Display, die wesentlichen Änderungen finden sich, wie man bereits vermuten kann, unter der Haube.

Technische Neuerungen

Doch hier haben wir auch keine revolutionären Neuerungen. Das Update ist viel mehr eine Evolution. Eine leichte Verbesserung der bekannten Features:

  • Rauschärmere Mikrofonvorverstärker mit -120 dB EIN (zuvor -107 dBu)
  • Verbesserte integrierte Mikros, die einen Schalldruckpegel von 140 dB aushalten (H4n 126 dB)
  • erstmals VERRIEGELBARE Combo-Buchsen
  • aktualisierter und verbesserter Effektprozessor
  • Robusteres gummiertes Gehäusedesign

Die Praxis

Neue Optik schön und gut und auch die neue Technik hört sich nett an. Aber wie wirkt sich das in der Praxis aus? Kurz und knapp: Es fühlt sich an wie der bekannte H4n. Das komplette Handling ist identisch. Einen Unterschied bemerkt man nur bei extrem leisen Aufnahmen, bei denen der verbesserte Vorverstärker sein Potenzial ausspielen kann und bei extrem lauten Aufnahmen, beispielsweise bei Konzerten, bei denen der höhere Schalldruck zum tragen kommt. Die Klangfarbe der Mikrofone hat sich indes nicht merklich verändert. Trotzdem bekommt ihr im Video ein paar Aufnahmen, die euch einen Eindruck von der Qualität liefern sollten.

Sonstige Features

h4nWie zuvor bereits erwähnt, entsprechen die restlichen Features denen des alten H4n. Ihr könnt also die bekannten Aufnahme-Modi Stereo, 4Chan und MTR (Multi Track Recorder) nutzen, euch an den integrierten Effekten erfreuen oder, wenn der Recorder schon in der Signalkette hängt, ihn als Stimmgerät benutzen. Nach wie vor bietet er die Möglichkeit, als Audiointerface genutzt zu werden. Zoom bietet wie bisher passende ASIO-Treiber an, um den vollen Aufnahmekomfort ohne Einschränkungen zu bietet. Leider kann das Gerät wie auch die 2009er-Version im Interface-Betrieb nur mit einer Abtastrate von bis zu 48 kHz mit 24 bit Tiefe aufnehmen.

Als Abgrenung um nochmals 30 Euro teureren großen Brunder H5 ist anzumerken: Beim H5 fällt die Umschaltung der Richtcharakteristik von 90° zu 120° sowie der MTR-Modus weg. Dafür nutzt das Gerät den neuen Anschluss, um die vormals integrierten Mikrofone modular gegen andere auszutauschen und bietet dedizierte Gainregler und damit eine leicht vereinfachte Bedienung.

Fazit

„Pro“ ist eigentlich der falsche Begriff für dieses Gerät. Denn nennenswerte Pro-Features wurden nicht hinzugefügt. Im Wesentlichen bekommt ihr hier ein H4n MKII. Ein logisches Update mit zeitgemäßen Verbesserungen. Damit bewegt sich der Zoom H4n Pro insbesondere in Sachen Soundqualität auf einer Ebene mit den großen Geschwistern dem H5 und dem H6. Dank der verbesserten Vorverstärker liegt er auch vom Rauschverhalten endlich wieder im oberen Mittelfeld und nicht mehr recht weit abgeschlagen von der modernen Konkurrenz.

Somit lässt sich abschließend sagen: Solange ihr nicht das letzte Quäntchen an rauscharmer Qualität Jagd lohnt sich ein Umstieg definitiv nicht. Auch wenn ihr vor einem Neukauf steht, würde ich es mir zweimal überlegen, ob sich die Investition lohnt. Denn aktuell bekommt ihr das Vorgänger-Modell H4n für rund 190 Euro und damit knapp 40 Euro günstiger als die überarbeitete Neuauflage. Sofern ihr also nicht auf den verbesserten Schalldruckpegel oder die rauschärmeren Vorverstärker angewiesen seid genügt der klassische nun als H4nSP bekannte Vorgänger allemal. Wer bei einer neuen Investition aber die aktuellste Hardware haben und beste Qualität haben möchte, kann, sofern es ihm den Aufpreis wert ist, getrost zum H4n Pro greifen.

Die Geräte findet ihr hier: