TC-Helicon GoXLR Mini im Test – Das ultimative Mischpult für Streamer!

Wer Streamen will braucht Kontrolle über seinen Sound. Das geht per sowohl per Software als auch per Hardware. Viele entscheiden sich aber für ein Mischpult, um einzelne Tonquellen live abzumischen. Beispielsweise Mikrofon, Game-Sound, Voice-Chat und Musik. Bei analogen Mixern muss dafür jede Quelle separat ausgeleitet werden, was entsprechend viele Soundkarten mit viel Kabelage erfordert. Das Endergebnis ist ein Mix, den ihr dann wieder zurück an den PC senden könnt.

Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt.

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Aber wenn ihr nicht gerade einen großen Mixer nehmt, hat das einen großen Nachteil: Ihr erhaltet nur einen gesamtmix. Der Mikrofon-Sound allein lässt sich oft nicht ausleiten, so dass ihr in Discord entweder die Teamkollegen mit eurem Game-Sound belästigt oder aber auf ein zweites Mikro setzen müsst.

Dass es auch anders geht, hat TC-Helicon bereits anfang letzten Jahres mit dem 360 Euro teuren digitalen Mixer GoXLR gezeigt. Nun gesellt sich da mit dem GoXLR Mini für rund 160 Euro eine erschwingliche Alternative für alle kleineren Streamer hinzu, die umständliche Verkabelung und Tonprobleme der Vergangenheit angehören lassen soll. Was das GoXLR alles kann, wie es genau funktioniert und wie es euren Streaming-Alltag erleichtern kann, das erfahrt ihr wie immer hier.

Übersicht

Minimalismus scheint hier das Credo zu sein. Das GoXLR Mini kommt allein mit einem USB-Kabel zum Anschluss an den PC daher. Mehr ist hier aber auch zum Glück nicht mehr nötig.

Das Gerät fühlt sich von Beginn an hochwertig verarbeitet an. Mit einer Mischung aus Metall und Kunststoff komplett in Schwarz. Einzig die Hochglanzoberfläche birgt einen großen Nachteil. Hier ist nämlich jeder einzelne Fingerabdruck sichtbar. Ansonsten gibt es auch noch ein RGB-Farbspektakel. Aber das gibt es erst später. Zunächst also mal die Anschlüsse und Regler:

Vorderseite:
– 3,5mm Kopfhöreranschluss
– 3,5mm Mikrofonanschluss

Rückseite:
– XLR-Anschluss mit optionaler +48V Phantomspeisung für Mikrofone
– 3,5mm Line-In für externe Geräte
– 3,5mm Line-Out für Setups mit dediziertem Streaming-PC
– USB-Anschluss
– Optischer Eingang für Konsolen

Oberseite:
– 4 Fader mit beleuchteter Statusleiste
– 4 zugehörige Softbuttons als Mute-Taster
– 1 Zensursoftbutton (mit Beep-Funktion)
– 1 Temporäre Mute-Button, beispielsweise um Husten auszublenden

Der Widerstand der Fader ist dabei angenehm, der Druckpunkt der Softbuttons wie für diese Art von Knöpfen üblich etwas schwammig.

In Betriebnahme

Schließen wir das gute Stück aber erstmal an. Sobald es mit dem PC verbunden ist, wirkt das Gerät gleich eine Ecke farbenfroher. Es gibt eine schicke Innenbeleuchtung und auch sämtliche Buttons und Fader sind mit LEDs ausgestattet und dabei farblich komplett anpassbar.

Out of the Box passiert hier erstmal nicht ganz so viel. Windows erkennt zwar ein neues Gerät, findet aber keine passenden Treiber. Also heißt es erstmal auf zur Herstellerseite und die benötige Software draufziehen. Das kann ein paar Minuten in Anspruch nehmen, da zunächst Software und Gerät teils mehrfach aktualisiert werden. Ist das Geschafft, kann es aber direkt losgehen.

Kernstück des Geräts ist die zugehörige GoXLR-App. Hier könnt ihr absolut alles rund um den Mixer einstellen. Zunächst solltet ihr euer angeschlossenes Mikro auswählen. Ihr habt die Wahl zwischen 3,5mm Headsetmikrofon an der Vorderseite oder aber ein dynamisches Mikrofon ohne Phantomspeisung bzw. ein Kondensatormikrofon mit Phantomspeisung am XLR-Eingang auf der Rückseite zu betreiben. Dazu gibt es ein Noise Gate, einen Equalizer und einen Kompressor. Alle jeweils mit einer reduzierten einfachen Einstellmöglichkeit und erweiterten Einstellungen für Fortgeschrittene.

In der übrigen Software könnt ihr nun die Fader zuweisen. Neben den physischen Eingängen stehen euch fünf virtuelle Wiedergabegeräte zur Verfügung, die ihr in den jeweiligen Anwendungen als Standardgerät einrichten könnt. Auf diese Weise ist dann die unabhängige Steuerung von bis zu vier Quellen möglich. Alle weiteren lassen sich zumindest digital in der Software regeln.

Daneben gibt es aber auch drei Aufnahmegeräte, denen ihr die Tonquellen über eine übersichtliche Routing-Matrix zuordnen könnt. Beispielsweise ein Stream-Mix, der alle Quellen enthält und ein Chat-Mix, auf dem nur das Mikrofon läuft, damit ihr eure Teamkollegen nicht belästigt.

Natürlich lässt sich auch die umfassende RGB-Beleuchtung dezidiert einstellen, damit sich das Gerät auch optisch hervorragend in euer Setup einfügt.

Das alles lässt sich dann in einzelnen Profilen speichern und später wieder abrufen. Wie die Einrichtung im Detail funktioniert, könnt ihr im verlinkten Video sehen.

Audioqualität

Die Einstellungsvielfalt in allen Ehren, aber wie sieht es mit der Soundqualität aus? Die Wiedergabe funktioniert hervorragend und steht gängigen Gaming-Soundkarten in nichts nach. Was allerdings fehlt, sind hier Features wie Equalizer und 7.1 Sound. Immerhin lässt sich beides über Windows-Einstellungen nutzen und wenn es euch ganz wichtig ist, könnt ihr auch eine Gaming-Soundkarte an den Line-In anschließen.

Auch in der Aufnahme klingt das GoXLR Mini clean und hochwertig. Kondensatormikros verstärkt es mühelos, dynamische Mikros können aber schwieriger werden. Mein Rode Procaster klang im Test zwar gut, im Monitoring war seltsamerweise jedoch ein rauschen zu hören. Damit wäre ich insbesondere bei schwierigeren Mikrofonen vorsichtig und würde primär auf Kondensatormikros setzen.

Kritik

Bei all dem Lob zur quasi Wunderwaffe für Streamer aber auch noch ein wenig zusammengefasste Kritik. Wenn der Verstärker wirklich Arbeiten muss, sprich wenn ihr Mikros wie ein Shure SM7b anschließen wollt, kommt es doch durchaus zu leichtem rauschen. Zudem suboptimal: Die Profile werden nicht auf dem Gerät gespeichert, weshalb nach jedem Neustart erstmal eine Verbindung mit der Software stehen muss. Was mir für etwas mehr Flexibilität mit den wenigen Fadern noch Fehlt wären zudem Shortcuts zum Wechseln der Profile.

Damit kommen wir zur meiner Meinung nachgrößten Crux des Systems. Vier Fader reichen für die meisten Szenarien, insbesondere den bereits beschrifteten oft schon aus. Doof wird es nur, wenn ihr Beispielsweise vom PC auf die Konsole wechselt. Klar die könnt ihr je nach Einstellung bereits hören, wollt ihr sie jedoch auch regeln, müsst ihr erst im Programm das Profil wechseln. Hier wäre ein Shortcut definitiv hilfreich gewesen. Genau so ist euch vielleicht auch aufgefallen, dass es keinen dedizierten Regler für die Kopfhörerlautstärke gibt. Das müsst ihr entweder per Kabelsteuerung machen, hier in der Software über den Regler Headphones oder aber ihr Opfert einen eurer Fader für die Kopfhörersteuerung.

Aber man muss auch den Preis im Auge haben. Daher ist das GoXLR Mini trotzdem, wenn alles funktioniert wie bei mir, ein wunderbares Werkzeug für Streamer.

Fazit

Das GoXLR vereint digital all das, was mit analoger Hardware teils nur aufwendig umzusetzen ist und das ganz ohne Kabelsalat mit verhältnismäßig intuitiver Software. Vier Fader bieten Kontrolle über vier separate Tonquellen, wobei mir hier ganz klar ein dedizierter Lautstärkeregler fehlt, da ich für diesen ungern einen Fader opfern würde. Das ganze ist verpackt mit schicker Optik und umfangreichen Einstellmöglichkeiten für die Beleuchtung. Für mich mit einem Preis von knapp 160 Euro eine klare Empfehlung für alle Streamer die den Komfort der Audiosteuerung auf das nächste Level bringen wollen.

Obli
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