the t.bone Retro USB im Test – Nachfolger des SC450USB? – Neues aus dem Hause Thomann

Lange Zeit war das T.Bone SC450 USB so ziemlich das beliebteste USB-Mikrofon der Thomann-Hausmarke. Nach so vielen Jahren kommt nun jedoch Konkurrenz aus eigenem Hause. Mit dem the t.bone Retro USB hat Thomann ein neues USB-Mikrofon auf den Markt gebracht, das mit aktuell 55 Euro nicht nur eine ganze Ecke günstiger ist als das SC450 sondern auch stilistisch ganz andere Bahnen einschlägt. Was das brandneue Retro-USB-Mikro zum Einstiegspreis zu bieten hat, das erfahrt ihr wie immer hier.

Viele Jahre kämpft das SC450 USB nun um den ersten Platz unter den USB-Mikrofonen, ständig bedroht von günstiger Konkurrenz wie dem Auna MIC-900 und dem Marantz MPM-1000U. Mit dem the t.bone Retro USB gibt es aber auch für die anderen Billigheimer eine insbesondere preislich ernstzunehmende Konkurrenz. Ob auch klanglich, dazu später mehr.

Optisch soll es, wie der Name schon sagt, an die alten Größen vergangener Jahrzente erinnern – in etwa aus den 20er und 30er Jahren. Und das mit moderner Aufarbeitung und praktischen Funktionen.

Lieferumfang und Design

Das Mikrofon kommt übersichtlich mit einem Standfuß und einem USB-Kabel daher. Insbesondere der Standfuß macht dabei einen sehr guten Eindruck. Dieser ist komplett aus Metall und sorgt mit seinem ordentlichen Gewicht zusammen mit den Schaumgummipolstern an der Unterseite stets für einen sicheren Stand. Insgesamt bringt der Metallfuß das ohnehin schon Kompakte Mikro auf eine Höhe von überschaubaren 20 cm. Das ist nicht sonderlich viel und dürfte, sofern ihr keine Unterlagen verwendet oder das Mikrofon weiter weg positionieren wollt, zu klein sein.

Praktischerweise lässt sich die Spinne vom Fuß lösen, da diese mit einem standardisierten Gewinde miteinander verbunden sind. In unserem Fall einem 5/8 Zoll Gewinde. Somit  könnt das Retro USB an jedes beliebige Stativ montieren. Das Gewinde des Mikros befindet sich an einem kleinen Gelenk, so dass ihr es ganz nach Belieben vertikal neigen könnt. Ein Reduziergewinde für 3/8 Zoll ist allerdings nicht beigelegt.

Das Mikrofon selbst hängt Standardmäßig in seiner Spinne. Diese ist dabei insbesondere für den Preis überraschend gut gespannt. Nicht zu fest wie bei vielen billigen Spinnen, aber auch nicht zu lose. Eben genau richtig, um Trittschall und leichte Vibrationen zu absorbieren.

Funktionen und Bedienung

Um loslegen zu können, müssen wir unser Mikrofon, wie für USB-Mikros üblich, nur an unseren PC anschließen. Treiber sind keine erforderlich. Kleine LEDs an der Front informieren uns unter anderem darüber, dass es betriebsbereit ist. Aber eben nicht nur das. DENN:

Das Retro USB hebt sich nicht nur durch seine Optik von der Konkurrenz ab. Darüber hinaus bietet es mehrere Features, die es bei nur wenigen USB-Mikros zu finden gibt. Eben so wie das SC450 gibt es einen PAD-Schalter, de die Lautstärke des Mikrofons um 10 dB absenkt und einen Lowcut-Schalter, der Rumpeln und den ausgeprägten Nahbesprechungseffekt abschwächt. Beide befinden sich an der Front des Mikros und signalisieren ihren aktuellen Zustand durch LEDs neben den Touch-Buttons.

Dazu gibt es auf der Rückseite versteckt einen Kopfhöreranschluss, um euch selbst ohne Verzögerung während der Aufnahme hören zu können. Auch dazu gibt es Bedienelemente an der Front. Über zwei Taster könnt ihr hier die Windows-Lautstärke beeinflussen. Eine Möglichkeit den Kopfhörer-Mix, also das Verhältnis von Mikrofonton und Windows-Sound live für die Kopfhörerwiedergabe zu regeln, gibt es leider nicht.

Eine Besonderheit, die mir bisher bei extrem wenigen USB-Mikrofonen begegnet ist, ist eine Gain-Steuerung direkt am Mikrofon. Dazu befinden sich zwei weitere Taster an der linken Seite der Mikrofonfront.

Die Umsetzung der Bedienelemente ist in der Praxis leider eher suboptimal. Sobald ihr einen der Taster betätigt, drückt ihr natürlich auf dem schwingend gelagerten Mikrofon selbst herum. Durch die Größe und den geringen Widerstand der Aufhängung der Spinne ist das recht unhandlich. Immerhin PAD- und Lowcut-Taster geben euch durch die LEDs ein Feedback zur aktuellen Einstellung. Bei Kopfhörerlautstärke und Mikrofongain wird es dann schon schwieriger. Zwar zeigt Windows Lautstärkeänderungen wie gezeigt an, habt ihr aber gerade andere Dinge im Vordergrund und keinen hörbaren Ton, könnt ihr nicht abschätzen, wie eure aktuellen Einstellungen sind.

Ein ähnliches Problem gibt es in ausgeprägterer Form beim Gain. Hier gibt Windows selbst gar kein Feedback. Ausschließlich die Monitoring-Funktion oder aber die Pegelanzeige eines Aufnahmeprogramms gibt euch Aufschluss über den aktuellen Mikrofongain. Zudem könnt ihr den Aufnahmepegel auch nicht unter Windows selbst beeinflussen. Dieser ist festgesetzt. Entsprechend seid ihr auf die Taster an der Mikrofonfront angewiesen.

Glücklicherweise muss man den Gain während normalen Aufnahmen nicht ständig nachregeln. Daher kann man die Umständliche Bedienung nach der erstmaligen Einstellung erstmal abhaken.

Der Klang

Kommen wir zu dem, was wirklich zählt. Der Klang. Ist das Mikrofon frisch angeschlossen und der Gain eingestellt, klingt es so, wie ihr es bisher im Video hören konntet. Ein sehr neutraler, natürlicher und rauscharmer Klang. Ich habe das Mikrofon dafür auf ein größeres Stativ geschraubt, um es auf eine passende Höhe und einen Abstand von 15cm zu bringen. Auf einen Popschutz habe ich verzichtet. Und wie man hört, funktioniert das sehr gut.

Sobald ich jetzt sehr nah ans Mikrofon herangehe, bemerkt man den ausgeprägten Nahbesprechungseffekt. Aktiviere ich nun den Lowcut, wird der Bassbereich abgeschwächt und somit auch der Nahbesprechungseffekt. Empfehlenswert ist so eine nahe Besprechung allerdings ohnehin nicht, da der integrierte Poppschutz dann an seine Grenzen stößt.

Der PAD-Schalter verringert, wie man hören dürfte, einfach die Lautstärke um 10 dB.

Was ich allerdings nochmal explizit demonstrieren will, sind die Griffgeräusche. Solltet ihr mal in die Verlegenheit kommen, dass ihr die Lautstärke oder den Gain am Mikrofon während einer Aufnahme verändert, hört sich das in etwa so an. Jede Berührung ist deutlich zu hören und nicht unbedingt angenehm für eure Zuhörer.

Sonstige Besonderheiten

Bevor wir nun zum Abschluss kommen, gibt es noch ein paar technische Infos zusammen mit einer weiteren Besonderheit. Bei dem t.bone Retro USB handelt es sich um ein Mikrofon mit Nierenrichtcharakteristik, dass alles im Frequenzbereich von x – 18.000 Hz aufnimmt.

Das, was dieses Mikrofon von vielen anderen USB-Mikros abhebt, ist die Tatsache, dass es sich um ein USB 2.0 Mikrofon handelt und mit einer Tiefe von 24 bit so wie einer Abtastrate von bis zu 96 kHz aufnehmen kann. Bei üblichen USB-Mikrofonen, selbst dem beliebten Rode NT-USB ist bereits bei 16 bit und 48 kHz Schluss. Auch wenn die meisten ohnehin auf ihr Endprodukt ausgerichtet aufzeichnen, wird hiermit ein für die meisten Soundkarten üblicher Mindeststandard geboten, der zur Verfügung steht, wenn er benötigt wird.

Fazit

Abschließend kann ich nur zum the t.bone Retro USB sagen, dass es ein extrem günstiges, wohlklingendes und besonders rauscharmes Mikrofon ist, welches sich perfekt für Sprachaufnahmen eignet. Seine außergewöhnliche Form im Retrostil macht es darüber hinaus zu einem echten Hingucker. Einzig der reichlich kleine Standfuß und die fummelige Bedienung über die Tasten an der Front finde ich etwas Suboptimal, aber zu verschmerzen. Insbesondere wenn man sich den günstigen und einsteigerfreundlichen Preis von nur 55 Euro vor Augen führt.

Was haltet ihr vom neusten Nachwuchs der Thomann Hausmarke? Gefällt euch der Retro Look oder bevorzugt ihr die übliche Studiomikrofon-Optik? Das solls mal wieder von mir gewesen sein und ich würde sagen: Tschüss bis zum nächsten Mal!