Flamma FM10 im Test – Kleines Mischpult mit gewissen Extras – Mit DSP für Live-Bearbeitung

(Werbung) Heute schauen wir uns mal ein ganz frisches kleines Mischpult an. Und zwar das Flamma FM10. Wer Flamma noch nicht kennt, die haben sich bisher auf Effektgeräte für Gitarren spezialisiert und bringen mit dem FM10 nun ihr erstes Mischpult auf den Markt. Das soll dabei mit besonderen Features wie einem integrierten Effektprozessor aufwarten. Wie das funktioniert, was das Mischpult sonst noch so drauf hat und wo man sich hier vielleicht inspiriert hat, das erfahrt ihr wie immer hier.

Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt.

Es gilt die Datenschutzerklärung von Google

Lieferumfang und Verarbeitung

Das Flamma FM10 kommt ordentlich ausgestattet mit einem üppigen Kabelsatz daher. Neben dem Mischpult selbst erhaltet ih ein USB-C auf USB-C-Kabel, ein USB-C auf USB-A-Kabel und ein USB-C auf Lightning Kabel. Hier ist schon direkt klar, dass das Gerät maximale Kompatibilität bieten soll. Egal ob Windows, Mac, Android oder iOS. Lassen wir uns da mal überraschen.

Das Gehäuse des Mischpultes ist dabei komplett aus Metall gefertigt und macht einen soliden Eindruck. Es erinnert sowohl durch Optik und Qualität an bekannte Mixer wie Behringer Xenyx-Reihe und kann da qualitativ definitiv mithalten. Die Regler sind dabei wie üblich aus Kunststoff, die Potis selbst fühlen sich erstmal vollkommen in Ordnung an. Das Design ist dabei Geschmackssache. Die recht markante Farbgebung ist hier allerdings der Standard und die einzig verfügbare Version.

Eingänge, Ausgänge und Regler

Werfen wir aber mal einen Blick auf die Anschlüsse und Kanäle. Beginnen wir damit auf der Rückseite. Hier gibt es einen kleinen Schalter zum Ein- und Ausschalten, so wie zwei USB-C-Anschlüsse. Warum zwei? Ganz einfach. Prinzipiell genügt es, das Gerät über den Hauptanschluss mit der Hardware zu verbinden, mit der ihr es auch verwenden wollt. Sollte aber zB euer Android-Handy zu wenig Power liefern, um das Mischpult zu betreiben, könnt ihr über den zweiten Anschluss noch Strom über eine externe Stromquelle zuführen. In meinen Versuchen haben aber sowohl PC, Mac, iPad als auch Android-Handy genügend Saft geliefert.

Spannender ist aber die Oberseite. Das Mischpult bietet insgesamt zwei Mono-Kanäle und drei Stereo-Kanäle. Die ersten beiden sind dabei die typischen Mono-Eingänge mit XLR- und 6,3mm Klinkeneingang. Letzterer dient bei Kanal 1 als Line-In, bei Kanal 2 wahlweise aber auch als Instrumenten-Eingang beispielsweise für Gitarren. Kanäle 3/4 und 5/6 fungieren wahlweise als Mono- oder Stereo-Kanäle, je nachdem, ob ihr ein oder zwei Kabel anschließt. Wobei ersterer mit 6,3mm Klinkensteckern und letzterer mit Cinch-Steckern gefüttert wird. Ein weiterer Stereo-Kanal steht dem PC zur Verfügung, wenn das Mischpult als Wiedergabe-Gerät eingerichtet wird. Zu guter Letzt gibt es aber noch einen AUX-In, der einen klassischen 3,5mm Stereo-Klinke annimmt.

Bis auf der AUX-Eingang lassen sich alle Kanäle lautstärkemäßig regeln. Kanal 3/4 und 5/6 bieten dazu noch eine rudimentäre Gainsteuerung für High- oder Low-Gain, je nach Signallaustärke. 1 und 2 haben dagegen einen dedizierten Gain-Poti, mit dem ihr die Eingangsverstärkung im Detail anpassen könnt. Eine etwas unschöne Entscheidung: Nur für Kanal 1 lassen sich 48V Phantomspeisung für den Betrieb von Kondensatormikrofonen hinzuschalten. Man könnte glatt meinen, hier hätte man sich bei einer bestimmten Konkurrenz inspiriert.

Darüber hinaus sind eben diese Kanäle mit dem integrierten Effektprozessor verbunden. Dabei bietet Kanal 1 ein Kompressor, einen Equalizer und einen Reverb-Effekt, Kanal 2 eben so, darüber hinaus aber auch noch eine AMP-Simulation für die Gitarre. Da hören wir später mal rein.

Zum Abhören des Sounds stehen euch gleich 3 Ausgänge zur Verfügung. Oben jeweils zwei 6,3mm Mono-Klinken-Paare zum Anschluss externer Monitorboxen und einmal ein 3,5mm Klinkenanschluss mitten drauf. Eine etwas ungewöhnliche Wahl. Die Lautstärke jedes Ausgangs lässt sich unabhängig vom Rest steuern.

Damit das Monitoring etwas flexibler ist, beispielsweise um euren Stream-Mix-Abzumischen, gibt es noch einen Mute-Schalter für Kanal 1&2. Dieser schaltet Kanal 1&2 auf den Monitoring-Ausgängen stumm. Sprich euer Mikrofon wird permanent aufgenommen, aber ihr habt die Wahl, ob ihr euch auch gleichzeitig hören wollt. So könnt ihr den Kanalton zum Beispiel zum Einpegeln des Mixes aktivieren und im Anschluss wieder deaktivieren.

Ausgabe an den PC

Was nun etwas schade ist, ist, dass der Sound als reine Stereo-Summe über USB an den PC geschickt wird. Heißt, ihr habt nur einen Gesamtmix in dem alles landet, was ihr angeschlossen habt. Hier gibt es keine weiteren Einstellmöglichkeiten oder Optionen den Sound der Eingänge zu trennen. Auch die Wahl von Abtastrate und Bit-Tiefe sind sehr beschränkt. So unterstützt das Mischpult lediglich 44,1 kHz bei 24 Bit. Das reicht zwar für die meisten Fälle aus, aus Kompatibilitätsgründen wäre aber mindestens eine Abtastrate von 48 kHz nett gewesen.

Praxis

Klanglich hat das Interface eine gute Figur gemacht. Mit meinem Standardmikrofon, dem Rode NT1¹, ist es spielend fertig geworden. Aber selbst mit einem anspruchsvollen Mikro wie dem Shure SM7b¹, das ordentlich viel Gain benötigt, hat sich das Rauschen auch in den extremen Gain-Einstellungen dezent im Hintergrund gehalten. Wie das klingt, könnt ihr euch im oben verlinkten Video anhören.

Was aber hier negativ aufgefallen ist, ist dass es keine saubere Trennung von Gain- und Lautstärkeregelung eines Kanals. Üblicherweise werden die Effekte wie Kompressor und Equalizer mit dem Signal direkt nach dem Preamp gefüttert. Hier kommt aber erst das finale Signal nach dem Lautstärkeregler in die Effektkette. Als Konsequenz hat das auch Auswirkungen auf die angewendeten Effekte – allem voran dem Kompressor.

Die DSP-App

So weit so gut, das spannende an diesem Mischpult ist aber sicherlich der integrierte Effektprozessor. Da dieser ein paar mehr Möglichkeiten bietet, wurde die Steuerung nicht direkt auf dem Mischpult sondern in Form eines Programms umgesetzt, das ihr euch zunächst installieren solltet. Das ist dabei sowohl für Windows als auch für Mac verfügbar. Ihr habt Wahlweise eine vereinfachte Ansicht voller Preset oder aber die professionelle Ansicht mit voller Kontrolle und die wollen wir uns hier mal ansehen.

Sehr schön ist, dass wir hier einen Kompressor haben, bei dem wir alle wichtigen Parameter selbst festlegen können, so dass ich hier schon mal eine recht leichte Standardkompression aktiv habe, die ihr bereits hören könnt. Dazu gibt es einen Equalizer. Der bietet 5 Punkte zum Einstellen, die ihr dabei Grafisch oder ebenfalls direkt per Parameter festlegen könnt. Das klappt dabei genau so wie es sollte.

Abseits dessen haben wir hier rechts noch einen einfachen Reverb Effekt, ebenfalls mit allen üblichen Parametern und eine AMP-Simulation, die euren Gitarren-Sound mit dem Klang eines richtigen Verstärkers aufbessern soll. Wie gut das klappt, das könnt ihr im Video hören.

Verwandtschaft

Dem ein oder anderen wird das Ganze hier aber möglicherweise bereits bekannt vorkommen. Und das hat sicher einen Grund. Ich gehe davon aus, dass sich Flamma hier recht stark vom Yamaha AG06 hat inspirieren lassen. Die Wahl der Eingänge, der grundlegende Aufbau, selbst die Software ähneln dem AG06 sehr stark, wenn auch mit Abweichungen im Detail. Was hier im Vergleich zum AG06 fehlt: Das FM10 bietet keine direkte Möglichkeit ein Headset-Mikrofon anzuschließen. Auch ist es nicht möglich, per Schalter zu wählen, ob ihr den rohen Preamp-Sound, den effektierten Gesamtmix oder zusätzlich den Loopback-Signal aufnehmen wollt. Auch sind hier mit wie beim Vorbild Abtastraten von bis zu 96 kHz bei 24 bit drin. Außerdem wirkt die AG-Serie einfach nochmal wertiger verarbeitet. Zudem ist die DSP-Anbindung nach dem Lautstärkeregler einfach unsinnig. Der letzte Punkt der hier ebenfalls eher durchwachsen ist, ist die Speicherverwaltung der Einstellungen. Hier wurde leider eher mittelgut einem recht guten Vorbild nachgeeifert. Dafür klingt die AMP-Simulation deutlich besser, trotzdem würde man in der Praxis wohl lieber auf dedizierte Plugins setzen.

Fazit

Kommen wir damit zum Fazit. Flamma hat mit dem FM10 ihr erstes durchaus solides Einsteigermischpult mit Recording-Schwerpunkt auf den Markt gebracht. Dabei ist das Vorbild klar zu erkennen, kann aber nicht mit ihm konkurrieren. Vor allem die Software muss hier deutlich stabiler werden. Dennoch fände ich es als flexibles Einsteigergerät gar nicht mal schlecht, wäre da nicht der Preis. Flamma setzt hierzulande einen Preis von rund 150 Dollar an. Das bessere und flexiblere Vorbild ist dabei genau so teuer, die kleinere Variante, das AG03 mit rund 120 Euro sogar noch deutlich billiger. So ist es aber leider keine echte Alternative. Schade, und das obwohl Potenzial da war.

Zum Mischpult:
► Flamma FM10: https://www.flamma.shop/products/flamma-fm10-stereo-audio-mixer-portable-sound-console-system

Über Obli 185 Artikel
Leidenschaftlicher Technikfreak mit einem Hang zu allem, was irgendwie multimedial ist.