Austrian Audio PG16 im Test – Klasse Gaming Headset mit super Sound für rund 140 Euro

Austrian Audio ist eine relativ junge von ehemaligen AKG-Mitarbeitern gegründete Audio-Hardwareschmiede. Nach den ersten Kopfhörern wagen sie sich nun mit dem PG16¹ an ihr erstes Gaming-Headset, das mit einem Preis von rund 140 Euro direkt im gehobenen Segment startet. Wie sich ihre Expertise hier niederschlägt und was ihr genau bekommt, das erfahrt ihr wie immer hier.

Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt.

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Lieferumfang und Verarbeitung

Das PG16¹ kommt zusammen mit einer Transporttasche, einem 1,4m langen abnehmbaren Klinkenkabel auf einzelne TRRS-Klinke, so wie einem Adapter auf die getrennten Stecker für Kopfhörerton und Mikrofon daher. Obwohl es hier keine USB-Soundkarte dabei gibt, gibt es trotzdem auch eine Software-Dreingabe. Die hört auf den Namen Spatial Sound Card und soll euer Klangerlebnis unabhängig von eurer Soundkarte aufbessern. Dazu aber später mehr.

Das Headset selbst macht erstmal einen angenehm wertigen Eindruck. Es ist ausgesprochen flexibel, hat komplett drehbare Ohrmuscheln und ist zum einfacheren Transport sogar faltbar. Die Aufhängung der Hörer, die Scharniere so wie die Konstruktion im Inneren bestehen aus Metall, wobei die Seitenteile in glänzend schwarzem Kunststoff eingefasst sind. Die Mitte des Kopfbands wurde dagegen wie auch die Ohrmuscheln mit Memory-Schaum gefüttertem Kunstleder überzogen. Insbesondere bei letzteren gibt es ein für mich einfaches aber auch wichtiges Feature. Die Polster sind austauschbar, so dass ihr sie ersetzen könnt, wenn sie irgendwann abgetragen sind.

Das Kabel wird einfach an dem rechten Ohrhörer eingesteckt. Dank eines kleinen Verschluss-Systems sitzt es dabei zusätzlich recht sicher, damit es nicht aus Versehen herausgezogen werden kann. Was ich hier ein wenig vermisse, ist eine Kabelsteuerung. Darauf wurde hier verzichtet. Daher seid ihr auf die Lautstärkereglung über euren PC oder eure Soundkarte angewiesen. Als analoges Headset ist es neben dem PC natürlich auch mit allen gängigen Konsolen und deren Klinkenanschluss am Controller kompatibel.

Das Mikrofon ist fest an der Seite verbaut und lässt sich mit dem kleinen Schwanenhals einfach in Position bringen. Dabei wurde eine Tilt-to-Mute-Funktion implementiert. Heißt, das Mikrofon wird automatisch stumm geschaltet, wenn ihr es nach oben klappt. Der Drehmechanismus weist dabei einen angenehmen Widerstand auf, so dass ihr das Mikro nicht so schnell aus Versehen verstellt. Hinsichtlich der Kapsel gibt es hier eine omnidirektionale. Die nimmt damit zwar tendenziell auch mehr Umgebungsgeräusche auf, verspricht aber erfahrungsgemäß einen schöneren Klang. Das probieren wir aber gleich in der Praxis aus.

Tragekomfort

In Sachen Tragekomfort wurde hier für mich alles richtig gemacht. Mit 265 g ist das Headset noch relativ leicht und sitzt in Kombination aus sanften Ohrpostern und eben so eher leichtem Anpressdruck auch bei längeren Sessions wirklich angenehm und reicht dahingehend für mich auch mühelos an die Headsets von HyperX ran, die für ihren guten Sitz bekannt sind. Gleichzeitig muss man hier aber keine Sorgen haben, dass es dadurch zu lose sitzen würde. Eben so praktisch für lange Sessions ist, dass es unter den Hörern nicht allzu warm wird.

Der Sound in der Praxis

Der Klang wird meinen Erwartungen durchaus gerecht. Für ein Gaming-Headset gibt es hier einen wirklich präzisen, detailreichen und angenehmen Klang, wie man ihn von ähnlich wertigen Kopfhörern erwartet. In den Höhen gibt es einen kräftigen Boost, der für ordentlich Klarheit sorgt und ein wenig an den bekannten Beyerdynamic-Peak erinnert. Das mag nicht jedem gefallen, insbesondere da der Klang da so in Einzelfällen etwas scharf klingen kann, trifft aber in dem Maß durchaus meinen Geschmack. Eben so gibt es einen runden und präzisen Bass. Wo wir gerade bei Beyerdynamic-Hörern als Vergleich sind, ganz so tief runter geht der Bass hier leider nicht, sticht aber trotzdem einen Großteil der Konkurrenz in diesem Punkt aus. Sowohl in Sachen Tiefe als auch Präzision und das ohne in den Tiefmitten zu dröhnen wie es viele andere Gaming-Headsets mit leichtem Bass-Boost zu tun pflegen. Gleichzeitig bleibt das Klangbild sehr dynamisch, wodurch sie nicht nur im Spiel sondern auch mit Musik Spaß machen und sorgt für eine wirklich gutes Raumbild, welches die Gegnerortung unterstützt.

Rein von der Abschirmung verhält sich das Headset eher moderat. Sprich es handelt sich zwar um ein geschlossenes Headset, schirmt auch aber nicht so stark von der Umgebung ab wie manche andere. Es genügt, um zum Beispiel das Rauschen eines Gaming-Headsets im Spiel anständig auszublenden, gleichzeitig hört ihr aber auch noch ganz passabel eure Stimme, worauf einige wertlegen.

Eben so gelungen ist das omnidirektionale Mikrofon. Das liefert im Gegensatz zu vielen anderen Headsets einen außergewöhnlich vollen und trotzdem klaren Sound. Damit gehört es aus meiner Sicht mit zu den besten Headset-Mikrofonen auf den Markt. Einen Eindruck erhaltet ihr im verlinkten Video!

Software

Wie bereits eingangs erwähnt gibt es hier zwar keine eigene Soundkarte, dafür aber eine Software. Und die schauen wir uns jetzt mal näher an. Die Software kommt eigentlich von New Audio Technology und bietet euch unabhängig von eurer Soundkarte eine Surroundsimulation. Dazu wird in eurem System eine neue virtuelle Soundkarte angelegt, die ihr dafür als Standardwiedergabegerät verwenden müsst. Alles weitere geschieht dann in der Software.

Und hier gibt es durchaus ein paar praktische Features. So habt ihr die Möglichkeit die Lautstärke künstlich zu boosten, wenn eure Soundkarte zu leise ist. Für den Fall, dass sie dann übersteuert, gibt es aber gleichzeitig einen Limiter mit verschiedenen Intensitäten, um das zu verhindern. Das eigentlich große Feature ist hier aber die Surround-Simulation, die mit jeder beliebigen Soundkarte funktioniert. Ihr könnt selbst ein virtuelles Setup von Stereo bis 7.1 einrichten. Im Anschluss habt ihr die Wahl zwischen 5 verschieden Lautsprechersimulationen mit jeweils ganz eigenem Klangcharakter. Zudem habt ihr die Kontrolle über die Hüllkurve des virtuellen Raums. Also wie das Hallverhalten des Raums aussieht. Hier gefiel mir die kurze Gaming-Einstellung am besten.

Zu guter Letzt gibt es noch einen Equalizer, um den Sound zu verfeinern. Leider habt ihr keine Möglichkeit selbst Hand anzulegen. Statt dessen gibt es hier Presets vorgefertigt für verschiedene Kopfhörer und Headsets, die vom Hersteller abgestimmt wurden. Hier könnt ihre euch aber auch durchaus unabhängig davon mal durchprobieren.

Relevant ist bei der Software aber auch noch eine Einstellung für die Latenz. Die reicht von 5 bis 20 ms. Der wesentliche Unterschied ist die Auslastung der CPU. Aber ganz ehrlich, selbst bei 5 ms war der Leistungsbedarf kaum merklich und dürfte bei den meisten Gaming-Rechnern schlicht irrelevant sein.

Insgesamt ist diese Lösung für Fans von Surroundsimulationen definitiv eine super Dreingabe. Ich persönlich bevorzuge aber nach wie vor klassisch den rohen Sound.

Fazit

Auch wenn das PG16¹ das Erstlingswerk von Austrian Audio im Gaming-Bereich ist, merkt man hier trotzdem die Expertise. Ihr bekommt ein gutes Gesamtpaket, das seinem Preis absolut gerecht wird. Insgesamt gehört es damit definitiv zu den besseren Gaming-Headsets, aber mit 140 Euro auch zu einer gehobenen Preisklasse. Das Software-Feature ist etwas ungewöhnlich und vielleicht nicht für jeden relevant, aber eine sehr nette Dreingabe.

Letzte Aktualisierung am 19.08.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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