GIGABYTE GeForce RTX 2070 Gaming OC im Test – Lohnt der Aufpreis zur Windforce? – Review & Benchmarks

Wie ihr in meinem letzten Beitrag vielleicht schon mitbekommen habt, habe ich mir einen neuen Rechner auf Basis des Ryzen 7 der zweiten Generation zusammengebastelt. Als Grafikbeschleuniger habe ich mich dabei für die GIGABYTE GeForce RTX 2070 Gaming OC mit 8 GB Video-RAM entschieden. Was die so leistet, wie sie sich im Vergleich zur günstigeren 2070 Windforce schlägt und ob man vielleicht doch noch eher auf die letzte Generation Grafikkarten setzen sollte, das erfahrt ihr nun in diesem Beitrag.

https://youtu.be/pGoz2ikHq3k

Allgemeine Infos

Bei der GIGABYTE GeForce RTX 2070 Gaming OC handelt es sich um GIGABYTEs übertaktete Version der RTX 2070. Der Boost-Takt liegt mit 1740 Mhz 30 Mhz über dem der Founders Edition und 120 Mhz über dem der einfachen Referenz-RTX 2070. Das heißt ein theoretischer Leistungsvorteil von rund 7 %. Ob es den auch in der Praxis gibt, das schauen wir und gleich an.

Effektiv ist das auch der Unterschied zur GIGABYTE RTX 2070 Windforce. Diese Version gleicht der Gaming-Variante zwar optisch, setzt den Boost aber auf den maximalen Wert von 1620 Mhz der Referenz-2070 fest. Entsprechend der Mehrleistung unterscheidet sich auch der Stromverbrauch von 185 Watt in der Gaming- und 175 Watt in der Windforce-Edition.

Abgesehen davon kommen beide Karten mit schicker Backplate und ausuferndem Kühler mit drei Lüftern daher, der die Karte unter Volllast leise und vor allem kühl halten soll. Durch diesen belegt die Karte insgesamt 2 Slots in eurem Rechner. Ihr habt ansonsten im Wesentlichen noch die Wahl zwischen einem weißen und einem schwarzen Kühler.

Anschlussmäßig bekommt ihr bei beiden Karten einen HDMI-2.0-Anschluss, 3x Displayport in der Version 1.4 und einen USB-Typ-C-Anschluss. Letzterer stellt Strom, Datenkanal und Video in einem Anschluss bereit, beispielsweise für einen kompakteren Anschluss von VR-Hardware.

Was den ein oder anderen Übertakter vielleicht interessiert: NVidia nutzt aktuell mehr oder weniger zum Ärger vieler Kunden Chips zweierlei Güteklasse. Die etwas besseren TU106-400A-Chips und die einfachen TU106-400. Diese unterscheiden sich in sofern in der Güte, als dass die A-Variante übertaktungsfreudiger ist und daher stabiler mit höheren Taktraten läuft. Bei der von mir getesteten 2070 GAMING OC, also die ab Werk bereits übertaktete Variante, wurde auf den besseren A-Chip gesetzt. Das ist NVidias Voraussetzung an die Hersteller, damit auch diese einen erhöten Boost-Takt verwenden dürfen. Für euch heißt das, falls ihr manuell weitergehen wollt, bieten alle OC-Karten die besseren Chips. Interessanterweise kommt nach meinen Recherchen auf auf der Windforce der bessere Chip zum Einsatz. Wer also selber Hand anlegen will, kann hier etwas Geld sparen.

Die Leistung

Um die Leistung der Karte zu ermitteln, habe ich sie auf ein paar Benchmarks losgelassen. Das Ganze in einem System mit Ryzen 7 2700x, 32 GB DDR4 RAM @ 3200 Mhz und der besagten RTX 2070.

Kurz gesagt: FullHD- und 1440p-Gaming dürfte die nächste Zeit auch bei maximalen Einstellungen mit aktuellen Spielen gesichert sein. Battlefield 5 wird in FullHD mühelos oberhalb der 100 fps gehalten. Und auch Shadow of the Tombraider bewegt sich bei FullHD-Auflösung knapp unter den 100 fps. Ähnlich sieht es bei fast allen aktuellen Spielen aus. Zumindest solange auf die neu eungeführten Features wie Raytracing und DSSL verzichtet wird.

Um die Ergebnisse der Windforce-Variante nachzustellen habe ich für die Testrunde den Boost auf die vorgegebenen 1620 Mhz begrenzt. Das Ergebnis der Karten über mehrere Spiele, Benchmarks und Auflösungen zusammengefasst:

Die Gaming-OC Variante bringt eine Mehrleistung von 6-7% in Sachen FPS im Mittel. Und das für einen Aufpreis von nicht ganz 10%. Wie sieht es aber im Vergleich zur vorherigen Generation aus, wenn man die neuen Features wie DSSL und Raytracing außen vor lässt? Dann bewegen sich sowohl die einfache 2070 als auch die übertaktete Gaming OC-Variante genau zwischen der bisherigen GTX1080 und der GTX1080Ti (übertaktete Versionen außen vor gelassen). Gegenüber der vorherigen 1070 gibt es jedenfalls einen ordentlichen Leistungssprung.

Wie sieht es aber preislich aus? Ab rund 500 Euro gibt es die günstigsten Varianten der 1080. Die 1080 Ti liegt allerdings immer noch bei knapp unter 700 Euro und mehr. Somit bewegen sich zumindest die 2070-Modelle preislich in einem moderaten und ihrer Leistung entsprechendem Preisspektrum um die 600 Euro auch ohne die neuen Features zu berücksichtigen.

DLSS & Raytracing

Was genau bietet die 2070 aber an Neuerungen. Das wohl meist beworbene Feature stellen die neuen Tensor-Kerne dar, die DLSS und Raytracing ermölgichen sollen. Ersteres ist dabei eine Deeplearing-Gestützte Anti Aliasing-technik, letzteres einfach gesagt ein feature für die Berechnung neuer und schönerer Lichteffekte. Die große Frage ist: Bringen diese Features auch bei dem aktuell kleinsten RTX-Modell einen echten Vorteil und damit vielleicht sogar einen Grund zu wechseln?

Das Problem ist, dass aktuell abseits von synthetischen Benchmarks lediglich  Battlefield 5 Gebrauch von Nvidias neuster Technik macht. Daher muss auch dieser Titel für mich als Referenz herhalten.

Das Ergebnis ist wie auch schon bei der breiten Vorberichterstattung ernüchternd. Zwar hat Dice nochmal mächtig optimiert, berauschend ist das aktuelle Endergebnis dennoch nicht. Während sich das Spiel auf der 2070 OC bei DirectX 12 durchweg in einem stabilen Bereich zwischen 100 und 120 fps bewegt, brechen diese je nach Szene und entsprechend verwendetem Raytracing um 50 bis teilweise 60% ein. Somit gab es bei ansonsten maximalen Details und einer Auflösung von 1080p teilweise nur 35-40 fps.

Aber Moment! An dieser Stelle ein kleines Update. Kurz bevor ich den Test fertig gestellt habe, haben sowohl Nvidia auch als Dice ein Update für die RTX-Funktionalität herausgebracht, dass die Performance steigern soll. Wie sieht es danach aus? Das Update brachte bei meinen Tests eine Mehrleistung von rund 20%. Das heißt, mit maximalen Raytracing-Einstellungen sind nun statt 35-40 Frames rund 50 Frames pro Sekunde drin. Auf mittleren Einstellungen rund 60. Das alles natürlich immer noch bei FullHD.

Fazit

Die Leistung beider Karten kann sich durchaus sehen lassen. Mit Preisen ab rund 580 Euro für die übertaktete Gaming-und 550 Euro für die Windforce-Variante entspricht der Preisunterschied grob dem Leistungsunterschied. Aber nichts desto trotz bekommt ihr generell mit übertakteten Varianten auf jeden Fall den höherwertigen Chip, der gegebenenfalls weiteres Übertaktungspotenzial bietet. Dass sich Raytracing als frische Technologie aktueller Grafikkarten sich angesichts der enormen benötigten Leistung eher als Marketing entpuppen würde, war angesichts der ersten Infos zur 2080 Ti fast abzusehen. In der Praxis kann ich nur sagen, dass bei der jetzigen Leistung und Optimierung Raytracing der letzte Grund für eine Anschaffung einer 2070 sein sollte. Vielleicht wird man in Zukunft bei besserer Optimierung durchaus noch mehr davon profitieren, ohne so massive Einbußen hinzunehmen. Gerade Battlefield zeigt, dass eben auch die Entwickler gerade erst Erfahrung mit der neuen Technologie sammeln.Bis dahin genieße ich lieber die allgemeine Gaming-Performance der Karte und werde getrost auf RTX verzichten. Habt ihr noch eine Karte der letzten Generation wird sich ein Umstieg jenseits der reinen Mehrleistung auf jeden Fall noch nicht lohnen. Insbesondere, da bei manchem Modellen immer noch von Kinderkrankheiten zu hören ist.